Wer einen Balkonkraftwerksspeicher mit Nulleinspeisung betreibt, kommt um einen Smart Meter nicht herum. Der Speicher muss schließlich wissen, wie viel Strom das Haus gerade zieht, sonst kann er die Abgabe nicht darauf einregeln. Die klassische Lösung dafür heißt Shelly Pro 3EM – und die braucht einen Elektriker, weil sie fest in den Verteiler eingebaut wird.

Es geht aber auch deutlich einfacher. Einen EcoTracker IR einrichten dauert in der Praxis rund 15 Minuten, kostet keinen Handwerkertermin und greift überhaupt nicht in die Elektrik ein. Der kleine Sensor wird magnetisch auf die optische Schnittstelle des digitalen Stromzählers gesetzt, liest dort mit, was der Zähler ohnehin sendet, und schickt die Werte per WLAN weiter. Ich zeige euch hier Schritt für Schritt, wie das läuft – inklusive der einen Hürde, an der die meisten hängenbleiben.

Infrarot-Lesekopf auf der optischen Schnittstelle eines digitalen Stromzählers im Zählerschrank, im Hintergrund ein Wohnhaus mit Balkonkraftwerk

Was ein IR-Lesekopf überhaupt macht

Jede moderne Messeinrichtung – also der digitale Zähler, der seit einigen Jahren die alten Ferraris-Zähler ersetzt – hat vorne eine runde Infrarot-Schnittstelle. Über die gibt der Zähler kontinuierlich seine Daten aus, im SML-Protokoll nach DIN EN 62056. Diese Schnittstelle ist frei zugänglich und ausdrücklich für euch als Anschlussnutzer gedacht.

Ein IR-Lesekopf wie der everHome EcoTracker IR ist nichts weiter als ein Fototransistor mit WLAN-Chip, der genau dort mitliest. Er misst nichts selbst, er greift nichts ab, er verändert nichts am Zähler. Er hört nur zu. Das ist auch der Grund, warum die Installation keine Elektrofachkraft braucht: Es gibt schlicht nichts zu verkabeln.

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Rückseite des Everhome EcoTracker IR mit den beiden Infrarot-Elementen für Sende- und Empfangsrichtung
Die Rückseite: zwei Infrarot-Elemente in der Mitte, außen der umlaufende Magnetring. Mehr Technik steckt nicht dahinter.

Wichtig zur Abgrenzung: Der Lesekopf gehört auf die Vorderseite des Zählers, im frei zugänglichen Bereich hinter der Klappe des Zählerschranks. Plomben bleiben Plomben – die dürft ihr unter keinen Umständen öffnen. Alles, was hinter der verplombten Abdeckung liegt, ist Sache der Elektrofachkraft.

Voraussetzung 1: der richtige Zähler

Ihr braucht eine moderne Messeinrichtung mit optischer Schnittstelle. Wenn euer Zähler in den letzten Jahren getauscht wurde, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit der Fall. Typische Modelle sind eHZ-Zähler von EMH, eBZ, Logarex, Iskra oder EasyMeter. Der EcoTracker ist nach Herstellerangabe mit über 120 Zählertypen in Deutschland und Europa kompatibel.

Praktisch genauso wichtig: Am Zählerschrank müssen Strom und WLAN verfügbar sein. Der EcoTracker braucht eine Steckdose in Reichweite und ein Funknetz, das im Keller noch ankommt. Genau daran scheitert es in der Praxis öfter als am Zähler selbst. Wer im Keller schwaches WLAN hat, plant besser gleich einen Repeater oder Mesh-Punkt mit ein.

Voraussetzung 2: die PIN vom Messstellenbetreiber

Und hier ist die Hürde, an der fast alle hängenbleiben. Im Auslieferungszustand gibt euer Zähler nur einen verkürzten Datensatz aus: Zählerstände ohne Nachkommastelle, mehr nicht. Für einen Speicher ist das wertlos – der braucht die momentane Wirkleistung in Watt, und zwar sekündlich.

Diesen vollständigen Datensatz schaltet ihr mit einer vierstelligen PIN frei. Die PIN bekommt ihr ausschließlich von eurem Messstellenbetreiber – also dem Unternehmen, das auf eurer Stromrechnung unter „Messstellenbetrieb“ steht, meistens der örtliche Netzbetreiber. Anfordern könnt ihr sie über das Kundenportal, per Mail oder telefonisch. Bereithalten solltet ihr Zählernummer und Adresse. Erfahrungsgemäß dauert das zwischen einem Tag und zwei Wochen – deshalb: PIN anfordern, bevor der Speicher geliefert wird. Das spart euch eine Menge Wartezeit.

Schritt für Schritt: PIN per Taschenlampe eingeben (kein Witz! ;-))

Moderne Messeinrichtungen haben keine mechanischen Tasten. Die Eingabe läuft deshalb optisch – ihr leuchtet mit einer Taschenlampe in Lichtimpulsen auf den Sensor, ähnlich wie beim Morsen. Klingt abenteuerlich, ist aber schnell verstanden. Der Lichtsensor sitzt meist direkt in der Info-Schnittstelle und ist mit einem kleinen Taschenlampen-Symbol gekennzeichnet. Manche Zähler haben alternativ eine optische Taste, dann ersetzt jedes Drücken einen Lichtimpuls.

  1. Menü aufrufen: Leuchtet länger auf den Sensor (bei den meisten Zählern rund 4 bis 5 Sekunden), bis im Display „PIN“ mit einer 0 an erster Stelle erscheint.
  2. Erste Ziffer eingeben: Jedes kurze Aufleuchten zählt eine Stelle hoch. Einmal kurz = 1, zweimal kurz = 2, und so weiter. Nach der 9 fängt es wieder bei 0 an – ihr könnt also einfach weiterzählen, wenn ihr euch verklickt habt.
  3. Weiterspringen: Etwa 3 Sekunden nicht leuchten, dann rückt der Zähler automatisch auf die nächste Stelle vor.
  4. Ziffern 2 bis 4: Genauso wiederholen.
  5. Fertig: Nach der vierten Ziffer prüft der Zähler die PIN. War sie korrekt, erscheint die erweiterte Anzeige mit der aktuellen Leistung in Watt. War sie falsch, bleibt die zweite Displayzeile leer – dann einfach nochmal von vorn.

💚 Grüner Tipp: Ihr könnt euch beliebig oft vertun – es wird nichts gesperrt. Zwei Dinge erleichtern die Sache aber deutlich: Erstens gibt es Smartphone-Apps, die die Lichtimpulse automatisch über den Kamerablitz senden (im App Store unter „Stromzähler PIN“ zu finden). Zweitens: Helles Fremdlicht stört die Eingabe, und Lampen mit PWM-Dimmung – also viele Handy-Taschenlampen im Sparmodus – funktionieren teilweise gar nicht. Eine simple, ungedimmte LED-Taschenlampe ist die zuverlässigste Wahl.

Der Schritt, den fast alle vergessen: dauerhaft freischalten

Jetzt kommt der Punkt, der später für Frust sorgt, wenn man ihn überspringt. Die erweiterte Anzeige gilt bei vielen Zählern nur temporär – nach 120 Sekunden ohne Lichtsignal springt das Display zurück, und spätestens nach einem Stromausfall müsst ihr die PIN erneut eingeben. Für einen Speicher, der rund um die Uhr Messwerte braucht, ist das inakzeptabel.

Deshalb arbeitet ihr euch nach erfolgreicher PIN-Eingabe durch die Aufrufliste bis zu zwei Menüpunkten durch:

  • InF auf on – schaltet die Ausgabe des vollständigen Datensatzes an der Infrarot-Schnittstelle dauerhaft ein.
  • PIN auf off – deaktiviert die erneute PIN-Abfrage, sodass die Freischaltung auch nach einem Stromausfall erhalten bleibt.

Umgeschaltet wird beides, indem ihr bei angezeigtem Menüpunkt länger als 5 Sekunden auf den Sensor leuchtet. Die genaue Menüführung unterscheidet sich je nach Hersteller ein wenig – die Bedienungsanleitung eurer moderne Messeinrichtung stellt jeder Netzbetreiber als PDF bereit, meist unter „Zähleranleitung“ oder „mME-Anleitung“. Ein Blick da hinein lohnt sich, das sind selten mehr als acht Seiten.

EcoTracker IR montieren und einrichten

Der eigentlich schwierige Teil ist damit erledigt. Der Rest geht schnell:

Nahaufnahme des everHome EcoTracker IR mit USB-C-Anschluss, magnetisch auf der optischen Schnittstelle des Stromzählers befestigt
So sitzt der EcoTracker bei mir: mittig auf der optischen Schnittstelle, Stromversorgung über USB-C an der Unterseite.


  1. Aufsetzen: Den EcoTracker magnetisch mittig auf die runde optische Schnittstelle des Zählers setzen. Er hält von allein und rastet spürbar in Position.
  2. Strom: Netzteil in eine Steckdose in der Nähe.
  3. App installieren: Die kostenlose everHome-App gibt es für iOS und Android, laufende Kosten fallen keine an.
  4. Koppeln: Die Ersteinrichtung läuft per Bluetooth, danach übernimmt WLAN die Datenübertragung. Ein zusätzliches Gateway braucht ihr nicht.
  5. Account und Gerät: everHome-Account anlegen, den EcoTracker hinzufügen – fertig.

Ab jetzt seht ihr in der App live, was euer Haushalt zieht und was ins Netz geht. Für die Speichersteuerung verbindet ihr den EcoTracker anschließend in der App eures Speicherherstellers – bei Maxxicharge, EcoFlow, Zendure, Hoymiles, Deye und einigen mehr ist der EcoTracker offiziell als Smart Meter hinterlegt.

everHome EcoTracker IR auf der optischen Schnittstelle eines Iskra-MT681-Stromzählers, das Display zeigt eine Momentanleistung von minus 4.773 Watt bei Netzeinspeisung
Freigeschaltet: Das Display zeigt unter „INFO“ die Momentanleistung. Das Minus vor den 4.773 W bedeutet Einspeisung ins Netz – genau dieser Wert ist es, den euer Speicher braucht.


Wenn das EcoTracker IR einrichten nicht auf Anhieb klappt

Problem Wahrscheinliche Ursache
App zeigt nur Zählerstände, keine Watt-Werte Vollständiger Datensatz nicht freigeschaltet – InF steht noch auf off
Nach Stromausfall keine Daten mehr PIN steht noch auf on, Freischaltung wurde zurückgesetzt
PIN-Eingabe reagiert nicht PWM-gedimmte Lichtquelle oder zu helles Umgebungslicht
Verbindung bricht ständig ab WLAN-Signal am Zählerschrank zu schwach
Werte springen oder fehlen sporadisch Lesekopf sitzt nicht exakt mittig auf der Schnittstelle

Häufige Fragen

Brauche ich für den EcoTracker IR einen Elektriker?

Nein. Der Lesekopf wird nur magnetisch auf die frei zugängliche optische Schnittstelle des Zählers gesetzt, es gibt keinen Eingriff in die Elektrik und keine Plombe wird berührt. Das unterscheidet ihn vom Shelly Pro 3EM, der fest in den Verteiler eingebaut werden muss.

Woher bekomme ich die PIN für meinen Stromzähler?

Ausschließlich vom Messstellenbetreiber, meist dem örtlichen Netzbetreiber. Viele bieten die Abfrage inzwischen direkt im Online-Kundenportal an, sonst genügt eine Mail mit Zählernummer und Adresse. Die PIN ist kostenlos.

Kann ich beim Eingeben etwas kaputt machen oder mich aussperren?

Nein. Fehleingaben führen nur dazu, dass die erweiterte Anzeige ausbleibt. Es gibt keine Sperre nach mehreren Versuchen, ihr könnt beliebig oft neu ansetzen.

IR-Lesekopf oder Shelly Pro 3EM – was ist besser?

Der IR-Lesekopf gewinnt bei Aufwand und Kosten: kein Elektriker, keine Umbauten, in einer Viertelstunde fertig. Der Shelly Pro 3EM gewinnt bei der Geschwindigkeit – er misst im 0,3- bis 0,6-Sekunden-Takt, während IR-Leseköpfe an das Sendeintervall des Zählers gebunden sind, üblicherweise etwa eine Sekunde. Für die allermeisten Haushalte ist der Unterschied im Alltag klein, für Messreihen und Regelverhalten-Tests ist er relevant.

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Stand der Informationen: 24. August 2026. Die Menüführung und die genauen Bedienzeiten unterscheiden sich je nach Zählermodell – maßgeblich ist immer die Bedienungsanleitung eures Netzbetreibers für eure moderne Messeinrichtung.

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