Anker SOLIX Solarbank 2 AC: der Hybrid, der das 800-W-Problem löst

Anker SOLIX Solarbank 2 E1600 AC: 1.200 W DC-Eingang über zwei MPPT, 800 W AC-Eingang für den vorhandenen Wechselrichter, 1,6 kWh Speicher erweiterbar auf 9,6 kWh, 800 W Ausgang ins Hausnetz plus Notstrom

Wer bereits ein Balkonkraftwerk mit eigenem Wechselrichter betreibt und darüber nachdenkt, einen Speicher nachzurüsten, landet früher oder später bei der Anker SOLIX Solarbank 2 E1600 AC. Und stolpert dabei über zwei Dinge, die in den Datenblättern erstaunlich unklar bleiben: Was das Gerät technisch eigentlich ist, und wie groß es sich am Ende wirklich ausbauen lässt.

Ich habe beides auseinandergenommen. Vorweg: Bei der Kapazität widerspricht sich Anker in den eigenen Unterlagen, und das ist kein Detail, sondern entscheidet über 9,6 oder rund 15 kWh Endausbau.

Dieser Beitrag behandelt gezielt die AC-Variante. Wie sie sich gegen Solarbank E1600, Solarbank 2 Pro und Solarbank 2 Plus abgrenzt, steht im Vergleich aller vier Solarbank-Varianten.

Kein reiner AC-Speicher: Die SOLIX Solarbank 2 AC ist ein Hybrid

Der Name führt in die Irre. „AC“ klingt nach einem Gerät, das ausschließlich wechselstromseitig angebunden wird — so wie es etwa die neue Solarbank Max AC tatsächlich macht. Die SOLIX Solarbank 2 AC E1600 kann beides gleichzeitig:

  • DC-Eingang: bis zu 1.200 W über zwei MPPT-Tracker mit je 600 W. Hier hängen Solarmodule direkt dran, ganz ohne zusätzlichen Wechselrichter.
  • AC-Eingang (bidirektional): bis zu 800 W über eine Schuko-Buchse. Hier kommt der vorhandene Mikrowechselrichter des bestehenden Balkonkraftwerks rein.
  • In Summe: bis zu 2.000 W Eingangsleistung, die im Speicher landen können.

Genau das ist der Punkt, der dieses Gerät für Bestandsanlagen so interessant macht — und ich halte es für die praktischere Lösung als das, was Anker im großen Modell anbietet.

Zwei Funktionen, die sonst keine Solarbank 2 hat

Der Anschluss für den Fremd-Wechselrichter ist nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal. Anker bestätigt in der eigenen Support-Datenbank zwei weitere Punkte, die im Marketing kaum auftauchen:

  • Laden aus dem Stromnetz: Die Solarbank 2 AC ist das einzige Modell der Reihe, das seinen Akku nicht nur über die PV-Anschlüsse, sondern auch aus dem Netz füllen kann. Pro, Plus und die alte E1600 laden ausschließlich mit Solarstrom.
  • Netzunabhängige Steckdose: Bei Stromausfall gibt die AC über eine separate Buchse weiter Strom ab. Die Solarbank 2 Plus und die erste E1600 stehen im Blackout still, weil sie ein anliegendes Netz brauchen.

Die Netzladung ist dabei kein Selbstzweck. Wirtschaftlich interessant wird sie erst mit einem dynamischen Stromtarif: nachts günstig laden, abends zum teuren Tarif selbst verbrauchen. Und im Winter, wenn ein Balkonkraftwerk kaum noch etwas liefert, ist es überhaupt die einzige Möglichkeit, den Speicher sinnvoll zu beschäftigen. Wer einen klassischen Festpreistarif hat, kann die Funktion getrost ignorieren — sie kostet dann nur Wirkungsgrad.

Warum das gegenüber der SOLIX Solarbank Max AC ein echter Vorteil ist

Die neuere Anker SOLIX Solarbank Max AC ist auf dem Papier das deutlich potentere Gerät: 7 kWh Basiskapazität, modular auf bis zu 42 kWh erweiterbar, ein bidirektionaler Wechselrichter mit bis zu 3.500 W. Aber: Sie kann ausschließlich AC. Es gibt keinen DC-Eingang für Solarmodule.

Für Besitzer eines bestehenden Balkonkraftwerks bedeutet das genau das Problem, das ich schon im Beitrag zur Max AC beschrieben habe: Der vorhandene 800-W-Wechselrichter bleibt der Flaschenhals. Man hängt einen Speicher mit 3.500 W Ladeleistung an eine Erzeugung, die bei 800 W gedeckelt ist. Die Leistungsreserve läuft ins Leere, solange man nicht gleichzeitig die PV-Seite massiv ausbaut.

Die Solarbank 2 AC löst das anders herum: Man behält den bestehenden Wechselrichter (800 W AC-Eingang) und hängt zusätzlich bis zu 1.200 W neue Module direkt an die DC-Eingänge. Die Anlage wächst also mit, statt an der alten Grenze zu hängen.

Mein Fazit zur Einordnung: Die Solarbank Max AC ist kein Balkonkraftwerks-Produkt, auch wenn Anker sie so vermarktet. Ihr eigentlicher Einsatzzweck sind große Dach-PV-Anlagen ohne Hybrid-Wechselrichter — insbesondere Altanlagen, die nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung fallen und deren Strom sich plötzlich nicht mehr lohnt einzuspeisen. Da passt ein AC-gekoppelter 7-kWh-Speicher mit 3.500 W perfekt. Für ein 800-W-Balkonkraftwerk ist sie überdimensioniert und technisch der falsche Weg.

Der ungeklärte Punkt: 9,6 oder 15 kWh maximale Kapazität?

Hier wird es unangenehm, denn Anker widerspricht sich in den eigenen Unterlagen. Die Basiseinheit speichert 1,6 kWh, bis zu fünf Erweiterungsakkus lassen sich stapeln. Nur: welche?

Rechnerisch ergibt das zwei sehr unterschiedliche Ausbaustufen:

  • Mit 5× BP1600 (je 1,6 kWh): 1,6 + 8,0 = 9,6 kWh
  • Mit 5× BP2700 (je 2,7 kWh nominal, real ca. 2,56 kWh): 1,6 + 13,5 = rund 15,1 kWh

Meine Einschätzung: Die 9,6-kWh-Angabe stammt vermutlich aus der Zeit vor dem BP2700-Launch und wurde nie aktualisiert — sie steht inzwischen an zwei Stellen bei Anker, sowohl auf der Produktseite als auch im Support-Vergleichsartikel, was den Wert allerdings auch nicht sicherer macht, wenn beide auf denselben alten Stand zurückgehen. Die BP2700-Seite selbst und die offiziellen Händler zeigen den neueren Stand. Ausschließen lässt sich aber nicht, dass die AC-Variante über ihre Kommunikationsschnittstelle tatsächlich auf den BP1600 begrenzt ist und die Kompatibilitätsliste des BP2700 ungenau formuliert wurde.

Praxis-Tipp: Wer die Solarbank 2 AC gezielt wegen des größeren Ausbaus mit BP2700 kauft, sollte sich das vor der Bestellung schriftlich vom Anker-Support bestätigen lassen. Der Kapazitätsunterschied von 9,6 auf 15 kWh ist zu groß, um sich auf eine Marketing-Zeile zu verlassen. Wer ohnehin mit BP1600 plant, ist auf der sicheren Seite — diese Angabe ist in allen Quellen konsistent.

Abgrenzung: Solarbank 2 AC ist nicht die alte E1600

Ein zweiter, ähnlich häufiger Verwechslungsfall: Die ursprüngliche Solarbank E1600 der ersten Generation lässt sich überhaupt nicht erweitern — weder mit BP1600 noch mit BP2700. Anker stellt das auf der BP2700-Seite selbst klar. Wer also auf Kleinanzeigen eine günstige „Solarbank E1600″ findet und mit Erweiterung plant, sollte sehr genau auf das Modelljahr und die Bezeichnung schauen.

ModellDC-EingangAC bidirektionalNetzladungNotstromBasisMax. Ausbau
Solarbank E1600 (Gen 1)2 Ports, 1 MPPT (externer WR nötig)1,6 kWhnicht erweiterbar
Solarbank 2 E1600 Plus1.200 W (2× MPPT)1,6 kWh9,6 kWh
Solarbank 2 E1600 Pro2.400 W, in DE 2.000 W (4× MPPT)ja, bis 1.000 W1,6 kWh9,6 kWh
Solarbank 2 E1600 AC1.200 W (2× MPPT)800 Wjaja1,6 kWh9,6 kWh (BP1600) bzw. ca. 15 kWh (BP2700, siehe oben)
Solarbank Max ACbis 3.500 Wjaja7 kWh42 kWh (5× BP7000)

Die ausführliche Gegenüberstellung der vier E1600-Varianten mit allen MPPT-Werten und Ladeleistungen steht im Solarbank-Vergleich.

Für wen sich die SOLIX Solarbank 2 E1600 AC jetzt noch lohnt

  • Bestehendes Balkonkraftwerk nachrüsten: Klarer Anwendungsfall. Wechselrichter bleibt drin, Speicher kommt dazwischen, zusätzliche Module können direkt per DC angeschlossen werden.
  • Dynamischer Stromtarif vorhanden: Ebenfalls klarer Fall, weil nur die AC aus dem Netz laden kann.
  • Blackout-Vorsorge: Die netzunabhängige Steckdose spricht für die AC (oder die Pro), gegen die Plus.
  • Neue Anlage aufbauen: Funktioniert auch, dank integriertem Mikrowechselrichter braucht es keinen separaten. Wer allerdings mehr als zwei Module oder mehrere Ausrichtungen plant, fährt mit der Solarbank 2 Pro und ihren vier MPPT besser.
  • Große Dach-PV nachrüsten: Eher nicht. Hier ist die Max AC oder ein klassischer Hybrid-Wechselrichter mit Batterie die passendere Lösung.

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Häufige Fragen

Kann ich meinen vorhandenen Hoymiles- oder Deye-Wechselrichter weiterverwenden?

Ja. Der Schuko-Stecker des vorhandenen Wechselrichters wird aus der Steckdose gezogen und in die bidirektionale AC-Buchse der Solarbank gesteckt. Das ist der eigentliche Kern des AC-Konzepts.

Kann die Solarbank 2 AC aus dem Stromnetz laden?

Ja, und sie ist das einzige Modell der Solarbank-Reihe, das das kann. Alle anderen Varianten laden ausschließlich mit Solarstrom über die PV-Anschlüsse. Sinnvoll ist die Netzladung vor allem mit einem dynamischen Stromtarif und in den Wintermonaten.

Liefert die Solarbank 2 AC bei Stromausfall Strom?

Ja, über eine netzunabhängige Steckdose. Das gilt außer für die AC nur noch für die Solarbank 2 Pro. Solarbank E1600 und Solarbank 2 Plus benötigen ein anliegendes Netz und geben im Blackout keinen Strom ab.

Brauche ich ein Smart Meter?

Nicht zwingend, aber für eine sinnvolle bedarfsgeführte Einspeisung praktisch unverzichtbar. Ohne Verbrauchsmessung arbeitet der Speicher nur mit festen Zeitplänen statt mit dem tatsächlichen Haushaltsverbrauch. Die Solarbank 2 arbeitet auch mit dem ecoTracker zusammen, der sich ohne Elektriker am vorhandenen Zähler nachrüsten lässt.

Muss ich die Anlage anmelden?

Ja. Für die vereinfachte Steckersolar-Regelung gelten weiterhin die bekannten Grenzen von 800 W Wechselrichter-Ausgangsleistung und 2.000 Wp installierter Modulleistung. Der Speicher selbst ändert daran nichts, muss aber im Marktstammdatenregister mit erfasst werden.

Weiterführende Artikel

Hinweis: Dieser Beitrag basiert auf Herstellerangaben, Datenblättern und öffentlich verfügbaren Tests. Ein eigenes Testgerät der Solarbank 2 E1600 AC lag mir nicht vor. Sobald sich der Kapazitätswiderspruch offiziell klären lässt, aktualisiere ich den Beitrag.

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